Goßmar (bei Sonnewalde)


 

Bilder: Die Kirche von außen (Foto: Leubauer), der Altar und der Innenraum nach Westen

   
Schlüsselhüter / Kirchenöffnungszeit
   
   Marlies Müller, Pießig 15, Tel. 035323/60 170
   

 

Die Kirche wurde als langgestreckter rechteckiger Saalbau aus Feldstein mit Raseneisenstein in der 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts errichtet. Der Westquerturm dürfte etwas jünger sein.

Auf der Südseite haben sich zwei gotische Backsteinportale erhalten: über dem schlichten Portal zum Schiff befindet sich eine spitzbogige Nische, die ehemalige Priesterpforte ist durch eine Vorhalle verdeckt. Ihr Türblatt stammt noch aus mittelalterlicher Zeit und verfügt über alte Beschläge. Auf der Außenseite berichtet eine Inschrift von 1626 vom Pestausbruch in jenem Jahr.

In der Ostwand befindet sich eine gestaffelte Dreifenstergruppe.

Die massiv tonnengewölbte Sakristei auf der Nordseite könnte noch spätgotisch sein.

Auf das Jahr 1672 gehen die großen Stichbogenfenster zurück, die Vorhalle auf der Südseite (ursprünglich aus Fachwerk) und vermutlich auch die Erhöhung des Turms in Backstein. Diese wurde im Zuge der Turmsanierung 1993/94 erneuert. Der Dachreiter entstand 1884 nach einem Brand neu.

Im Turm hängen zwei Glocken: die kleine (70 cm Durchmesser) wurde 1656 von Georg Billich von Kembergk gegossen. Die größere (102 cm Durchmesser) trägt am Hals den Namen des Patrons Graf Otto zu Solms, den des damaligen Geistlichen sowie eine lateinische Inschrift (Urban Schober goß mich im Jahre 1602 nach Christi Geburt).

Das Kircheninnere wird von einer barocken Holztonnendecke überspannt. Die dreiseitige zweigeschossige Empore stammt aus der Zeit der Kirchenerneuerung im 17. Jahrhundert und wurde während einer weiteren wichtigen Ausstattungsphase in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts überarbeitet. Die heutige Fassung mit von Ranken gefaßten Kartuschenfeldern stammt aus dem Jahr 1952.

Der Mitte der westlichen Emporenbrüstung ist ein barockes Kreuzigungsbild vorgeblendet, vermutlich das frühere mittige Altarbild (Maria und Johannes vor dem Hintergrund der Stadt Jerusalem, zwischen ihnen ein plastisches Kruzifix). Die Felder links und rechts sind als Gefallenentafeln des 2. Weltkrieges gestaltet.

Der Kanzelaltar in Formen der Spätrenaissance könnte anläßlich der im Jahr 1648 erfolgten Hochzeit von Georg Friedrich Graf zu Solms-Sonnewalde und mit Praxedia von Hohenlohe-Pfedelbach entstanden sein. Er wurde nachträglich aus dem ursprünglichen Altaraufsatz und der Kanzel zusammengeführt (früheres Altarbild vermutlich an der Westempore).

In der Predella befindet sich das übliche Abendmahlsbild, im Auszug die Gemälde der Auferstehung Christi (nach einem Vorbild des Malers Tintoretto) und der Himmelfahrt, bekrönt von einer geschnitzten Kreuzigungsgruppe. Die Felder der Kanzel zeigen die gemalte Opferung Isaaks, die Anbetung der ehernen Schlange und einen Engel mit den Leidenswerkzeugen (Arma Christi). Die sog. Seitenhänge des Altaraufsatzes beinhalten die Wappen des Patronatsherren Georg Friedrich Graf zu Solms-Sonnewalde (1626–1688) und seiner ersten Gemahlin Praxedia von Hohenlohe-Pfedelbach (1627–1663).

Der Taufständer ist ein schönes neogotisches Objekt aus Kunststein mit Weinrankenreliefs und trägt eine neuere Fassung.

Das Gemeindegestühl gehört ebenfalls in die Zeit der Neogotik und stammt aus der 1983 devastierten Kirche von Groß Buckow.

Für ein Gedächtnismal zum Andenken an die im 1. Weltkrieg gefallenen Mitglieder der Gemeinde wurde ein 1917 noch an der Westempore angebrachtes Kruzifix mit zwei Gefallenentafeln kombiniert. Darunter hängt ein schöner gewebter Wandbehang aus der Zeit um das Jahr 2000.

Das Gruppenporträt der Familie Dubigk wurde 1759 von J. Hauck/Aachen geschaffen. Das qualitätvolle Gemälde zeigt eine Familie mit drei Kindern in vornehmer Kleidung: v.l. Georg Dubigk/34 Jahre alt, seine Frau Maria Dubigk geb. Bitgenbach/44 Jahre, J. Ferdinand/7 Jahre, Maria Catharina Theresia/6 Jahre sowie J. Josephus Renirus/3 Jahre alt. Der aus Goßmar stammende Dubigk soll nach Aachen ausgewandert und dort wohlhabend geworden sein und der Kirche das Bild sowie entweder die Orgel oder die Altarbekleidung gestiftet haben.

Der schöne barocke Orgelprospekt hat sich von der Vorgängerorgel erhalten, 1756 geschaffen vom Sonnewalder Orgelbauer Matthäus Claunigk. Die seitlichen Kartuschen zeigen das Wappen der Grafen Solms-Sonnewalde (links) und rechts – über einer älteren Inschrift – den Schriftzug “Erneuert 1914”.

Bei der massiven Kirchentruhe aus Eiche, mit eisernen Beschlägen und Einwurfschlitz im Deckel dürfte es sich um die Kirchenkasse des 18. Jahrhunderts handeln.

Auf dem Friedhof steht ein beschädigtes Grabmal für den ehemaligen Pfarrer August Friedrich Teubner (†1800) – ein Säulenstumpf mit ovaler Inschrifttafel

 

Annegret Gehrmann (2020)

 

Quellen:
Georg Dehio: Handbuch der dt. Kunstdenkmäler, Brandenburg; bearbeitet von Gerhard Vinken u. a.; Deutscher Kunstverlag 2000
Jung/ Spatz: Die Kunstdenkmäler der Prov. Brandenburg, Berlin 1917, Band 5, Teil 1: Kreis Luckau
Kunstgut-Datenbank der EKBO
Die Sonnewalder Orgelbauer, Familie Klaunigk; Christhard Kirchner in: Sonnewalder Heimatblätter, Ausgabe 16/2016