Groß Leine


 

Bilder: Die Kirche von außen, der Innenraum mit Blick nach Osten und ein Fenster-Detail

   
Schlüsselhüter / Kirchenöffnungszeit
   
   Ronald Schenker, Neue Dorfstrasse 8, Tel. 035471/ 435
   

 

Der Ort wurde 1346 erstmalig urkundlich als “Großen Leyn” beim Bistum Meißen verzeichnet. Die Kirche Groß Leine hat ihre Ursprünge im Mittelalter und ist im Kern ein Saalbau des 15. Jahrhunderts mit quadratischem Westturm. Unter dem Patronat der Gutsbesitzerfamilie von Willisen erfuhr die baufällig gewordene Kirche von 1908-10 einen durchgreifenden Umbau durch den Architekten W. Blaue aus Steglitz. Dabei wurde das unregelmäßig gefügte Feldsteinmauerwerk verputzt und der Bau im Norden, Süden und Osten durch Vorhallen erweitert. Zudem wurden die Ostwand,
die Decke, das Gebälk und das Dach erneuert. Von den mittelalterlichen Formen verblieben nur die spitzbogigen gekuppelten Schalluken. Im Jahr 1985 hat die Kirchgemeinde Turmspitze und -dach grundsaniert.

Im Zuge der Erneuerung bis 1910 erhielt die Kirche im Innern eine einheitliche Ausstattung im Sinne eines “ländlichen Neubarock”. Der Raum wurde gewestet und mit bemalter Holztonne und einer barockisierenden Süd- und Westempore versehen.

Die starkfarbige Fassung der Holzteile schließt die Ausstattungsstücke aus dem 3.Viertel des 17. Jahrhunderts ein.

In das reich verzierte Altarretabel sind Reliefs eines früheren Schnitzaltars aus der 1. Hälfte des 15. Jh. eingelassen: im Hauptfeld ist die eine Beweinung Christi unter dem Kreuz zu sehen, zwischen den gedrehten Weinlaubsäulen kleinere Tafeln mit Passionsszenen (Jesus im Garten Gethsemane, Gefangennahme, Geißelung und Kreuztragung). Die Predella zeigt ein Gemälde des letzten Abendmahls (vgl. eine ähnliche Darstellung in Straupitz). In der oberen Altarzone (Auszug) findet sich zwischen sog. Hermenpilastern ein gerahmtes Auferstehungsbild, seitlich stehen Engel mit Palmenzweigen. Der Altar wird bekrönt von der Freifigur des auferstandenen Christus.

Am Korb der hölzernen Kanzel sind zwischen gedrehten Ecksäulchen die Bildnisse der vier Evangelisten zu sehen, die bereits aus dem 16./17. Jh. stammen sollen. Darüber hängt ein phantasievoller oktogonaler Schalldeckel mit einer sog. Knorpelwerkkrone. An den Kanzelaufgang schließt ein ehemaliger evangelischer Beichtstuhl an, der über der Brüstung die hier häufig typischen Akanthusgitter aufweist.

Der Taufstein aus schlesischem Marmor (19. Jahrhundert) ist ein Geschenk der Gräfin von Wyrschwitz auf Lagow. Die Orgel auf der Ostempore wurde 1910 vom Berliner Orgelbaumeister August Ferdinand Dinse (“Gebrüder Dinse”) gefertigt und erfuhr 2007/08 eine Generalreparatur. Die teils farbigen Glasfenster aus dem Jahr 1910 sind eine Stiftung der Familie von Willisen und wurden in der “Glasmalerei Blaue Berlin-Dahlem” gefertigt.

In der östl. Vorhalle der Kirche befindet sich ein Sandsteinepitaph für Frau Sara von Zittwitz, geb. Steinkeller (†1625), Ehefrau des Hennig von Zittwitz in Witwengewand und mit Witwenhaube.
Von ehemals drei Glocken ist nur noch die kleinste übrig. Die beiden größeren sind dem
Edelmetallhunger der Kriegsrüstung zum Opfer gefallen.

Im hinteren, verwilderten Teil des Kirchhofs verstecken sich historische Grabmale vom Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts, insbesondere stilisierte Baumstämme mit aufgesetzten Inschriftentafeln.

Am Ende des Kirchhofs liegt auch die stark verfallene Grabanlage der Familie von Willisen:

  • Katharina Freifrau von Willisen, geb. von Sanden (* 6.7.1850 zu Hagelberg, † 9.11.1905 zu Sglietz/heute Glietz)
  • Wigburg Kaiser, geb. Clauson von Kaas (* 18.1.1908, † 10.8.1987), verwandt mit den Familien v. Kleist und Strousberg
  • Hans Freiherr von Willisen, Generalleutnant (* 5.8.1837 zu Berlin, † 16.8.1905 zu Sglietz)
  • Jürgen Freiherr von Willisen (* 30.4.1890, † 9.9.1907 zu Bremen)
  • Maria Clauson von Kaas, geb. Freiin von Willisen (* 7.3.1879, † 1957)

 

Annegret Gehrmann, 2018

 

Quellen:
Dehio Brandenburg 2012, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bearbeitet von Gerhard Vinken, durchgesehen und erweitert von Barbara Rimpel. Deutscher Kunstverlag 2012
Kunstgut-Datenbank der EKBO
Dr. Jörg Kuhn, Stiftung Historische Kirchhöfe und Friedhöfe in Berlin-Brandenburg; Sept. 2003
Ronald Schenker, Kirchgemeinde Groß Leine