Dollenchen


 

Bilder: Die Kirche von außen, der Ostgiebel und der Taufengel

   
Schlüsselhüter / Kirchenöffnungszeit
   
   Rudolf Saath, Hauptstr.45, Tel. 035329/ 55 460
   

 

Die Kirche wurde im späten 13. Jahrhundert als Saalbau aus Feldsteinquadern erbaut. Das Dachwerk des Westquerturms konnte in das Jahr 1342 datiert werden. Es ließen sich sogar sekundär verbaute Hölzer des Vorgängerbaus, einer sehr schlichten Holzkirche aus der Zeit um 1220 nachweisen.

Aus der Bauzeit der Feldsteinkirche haben sich die spitzbogigen Portale im Norden und Süden erhalten – über dem nördlichen ist eine plastische Flachschicht mit einem sog. Scheitelkreuz angebracht. Am Ostgiebel befindet sich die gestaffelte Dreifenstergruppe, außerdem lassen sich hier noch Putzritzungen aus der Bauzeit finden (Schachbrettmuster, Räder, Kreuze).

Von einem Umbau des späten 17. Jahrhunderts stammen der achtseitige barocke Turmaufsatz mit geschweifter Haube (1698), die Fachwerkvorhalle (Dachstuhl 1680) vor dem Südportal sowie die vergrößerten Fenster im Schiff.

1944 wurden zwei Glocken für Kriegszwecke demontiert. Im Zuge der Turmsanierung gelang es im Jahr 2006, mit Spenden wieder eine zweite Glocke zu installieren. Im Beisein vieler Interessierter wurde sie in der Kunstgießerei Lauchhammer gegossen, am 13. September 2006 feierlich nach Dollenchen überführt und zum Erntedankfest eingeweiht.

Im Jahr 2012 wurde im Dachstuhl Hausschwamm festgestellt. Dies zog 2015/16 eine umfassende Gebäudesanierung nach sich:

  • Erneuerung der vom Schwamm befallenen Hölzer des Dachstuhls und Sanierung des Gesimses, Neueindeckung der Dachfläche
  • Sanierung der Zwischendecke im Kirchenschiff
  • Beseitigung der Feuchte-Schäden im Innenbereich und Profilierung im Außenbereich
  • Sicherung der Putzritzungen am Ostgiebel
  • Sanierung des südlichen Anbaus und der Außentür am Nordportal

Der flachgedeckte Kirchenraum wird geprägt durch die Ausstattung des 18. Jahrhunderts: ein einfacher Kanzelaltar mit jüngerer Fassung, die dreiseitige Empore und das Gemeindegestühl – beide mit ähnlicher, ebenfalls späterer Farbfassung, und ein ausdrucksvoll geschnitzter Taufengel aus einer Niederlausitzer Werkstatt, dessen heutiges Erscheinungsbild in Weiß aus der Zeit um 1900 stammt. Eine vorherige Bemalung schimmert grünlich durch.

Auf der vorschwingenden Westempore steht eine Orgel von Friedrich Leopold Morgenstern in Guben aus dem Jahr 1826.

Einige mittelalterlichen Ausstattungsstücke sind noch aus der Bauzeit der Kirche vorhanden:

Das Türblatt des Nordportals wurde aus Eichenholz mit geschmiedeten Bändern und Beschlägen gefertigt und eine Einbaumtruhe, die ebenfalls durch die schönen originalen Bänder und Beschläge auffällt.

Aus der 1. Hälfte des 15. Jahrhunderts hat sich ein Taufstein erhalten, der an seiner achtseitigen Kuppa mit Maßwerk verziert ist. Der Sockel wurde allerdings 1989 ergänzt.

Besonders bemerkenswert ist jedoch eine Maria mit Kind aus der Zeit um 1300, deren originale Fassung leider bei einer früheren Überarbeitung vollständig abgelaugt wurde.

Außerdem befinden sich an der Ostwand der Kirche die Figuren von zwei weiblichen Heiligen, einem männlichen Heiligen sowie ein Kruzifix. Hierbei handelt es sich um Fragmente eines spätmittelalterlichen, verlorenen Schnitzaltars.

 

Annegret Gehrmann (2020)

 

Quellen:
Georg Dehio: Handbuch der dt. Kunstdenkmäler, Brandenburg; bearbeitet von Gerhard Vinken, durchgesehen und erweitert von Barbara Rimpel; Deutscher Kunstverlag 2012
Jung/ Spatz: Die Kunstdenkmäler der Prov. Brandenburg, Berlin 1917, Band 5, Teil 1: Kreis Luckau
Kunstgut-Datenbank der EKBO
Markus Agthe: Archäologie in und an Kirchen des ländlichen Raumes in: Dorfkirchen, Lukas-Verlag 2004
Informationen der Kirchgemeinde