Waltersdorf


 

Bilder: Die Kirche von außen, der Altar (Foto: B. Steinhagen) und ein Detail der Wandmalerei

   
Schlüsselhüter / Kirchenöffnungszeit
   
   #REF!   

 

Der auffällig schlanke Bau dürfte im Kern zu den ältesten der Region gehören und ist in mehreren Bauabschnitten entstanden. Er besitzt einen für die Romanik typischen Grundriß mit rechteckigem Langhaus, eingezogenem quadratischen Chor, Apsis und westlichem Querturm. Das unregelmäßige Feldsteinmauerwerk bis in ca. 2,5 m Höhe stammt von einem bereits in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts begonnen Vorgängerbau. Man findet es vor allem vor allem im Turm und in den nördlichen Wänden.

Das Raseneisensteingewände des um 1220/30 entstandenen prächtigen spätromanischen Nordportals ist einer Baunaht zufolge erst nachträglich eingefügt worden und stammt wahrscheinlich gar nicht von dieser Baustelle. In der Mitte des 13. Jh. einsetzenden Bauphase arbeitete man dann mit sorgfältig zugeschlagenen Feldsteinen und führte neben den charakteristischen Fensteröffnungen der Apsis auch das spitzbogige Gewände des Südportals aus. In diese Zeit gehört außerdem der Anbau einer tonnengewölbten Sakristei an die nördliche Chorwand, welche heute nicht mehr existiert.

Im späten 18. Jahrhundert gab es einen umfassenden Umbau der Kirche, bei dem das Westportal und die vorhandenen Fenster von Chor und Schiff erweitert wurden. Im Zuge des Emporeneinbaus erhielt das Schiff zusätzliche Fenster im Erdgeschoßbereich. Spätestens zu diesem Zeitpunkt vermauerte man die mittelalterlichen Langhausportale. Aus dieser Bauphase stammt auch der 1790 vollendete Dachreiter auf dem Turm. Beim Einbau einer barocken Patronatsloge wurde bereits zuvor die südliche Langhauswand aufgebrochen. Diese Öffnung verschloß man jedoch im 20. Jahrhundert wieder mit einem Feldsteinverband.

Bei einer Renovierung des relativ hohen Innenraums mit seiner flachen Bretterdecke im Jahr 1953 wurden auch Orgelprospekt, Kanzel, Taufstein und Altar vollständig übermalt. Ab Mitte der 70er Jahre bis nach der Wende wurde die Kirche nicht mehr genutzt und verwahrloste.

Um den Bau zu sichern, deckte man 1991/92 das gesamte Kirchendach neu und verfugte dabei leider auch die gesamte westliche Turmfront unsachgemäß. 1994/95 konnten die Kirchenfenster repariert werden, und 1996/97 renovierte die Kirchengemeinde den Innenraum in Eigenleistung.

Der Altaraufsatz dürfte in der Renaissance entstanden sein und wurde im Barock um das seitliche Rankenschnitzwerk, die Strahlengloriole und die Figuren der vier Evangelisten erweitert. Die seitlichen Durchgänge stammen von 1934. Der Aufsatz konnte bei der Restaurierung 2004 auf seine barocke Fassung zurückgeführt werden, das originelle Abendmahlsgemälde in der Predella stammt noch von 1626.

Auf der südlichen Chorwand hat man Ausschnitte der mittelalterlichen Ausmalung freigelegt. Es handelt sich um drei Bildszenen mit Darstellung der sieben Laster oder Todsünden. Sehr ähnliche Darstellungen gibt es in Riedebeck.

Unter dem Schalldeckel der Kanzel schwebt die Taube als Symbol des Heiligen Geistes, bekrönt wird er durch einen Pinienzapfen. Die 1766 datierte Sandsteintaufe besitzt einen hölzernen Deckel, auf dem ein Putto das Lesepult trägt. Die farbigen Fenster stammen aus den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts und sind Stiftungen des ehemaligen Gutsherrn Körte.

Die Orgel von 1793 ist ein Werk des Orgelbauers Carl Gotthold Claunigk aus Sonnewalde. 1998/99 wurde sie durch den Orgelbau Waltershausen/Thür. hervorragend restauriert und ist seitdem hochgeschätztes Instrument bei Organisten von Weltrang (u.a. Konzerte in der Reihe “Mixtur im Baß“).

An der Südseite der Kirche befindet sich das Familienbegräbnis der ehemaligen Gutsbesitzerfamilie von Engels, die mit Friedrich Engels – dem Weggefährten von Karl Marx – verwandt war.

 

Annegret Gehrmann (2011)

 

Quellen:
Mittelalterliche Wandmalerei in Brandenburg, Bd. 1: Der Südosten – die Brandenburgische Lausitz; Wernersche Verlagsgesellschaft und BLDAM 2010
Georg Dehio: Handbuch der dt. Kunstdenkmäler, Brandenburg; bearbeitet von Gerhard Vinken u. a.; Deutscher Kunstverlag 2000
Jung/ Spatz: Die Kunstdenkmäler der Prov. Brandenburg, Berlin 1917, Band 5, Teil 1: Kreis Luckau
Akten der Kirchgemeinde