Görsdorf


 

Bilder: Die Kirche von außen, eine Bibel und ein Ausschnitt des Reliefs im Altar

   
Schlüsselhüter / Kirchenöffnungszeit
   
   Ira Malek, Görsdorf Nr.47, Tel. 035451/ 94 97 40

Carola Hartfelder, Görsdorf 18a, Tel. 035451/ 17006
   

 

Der kleine, flachgedeckte Rechtecksaal wurde im 14.Jahrhundert aus Feldstein errichtet und im 18. Jahrhundert erneuert. 1977 begannen erste Reparaturarbeiten am Dach, bei denen der defekte Dachreiter abgetragen werden mußte. Außerdem riß man den nördlichen Logenanbau ab. Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten und 11 Jahren baupolizeilicher Sperrung konnte die Kirche 1981 wieder eingeweiht werden.

Höhepunkt im schlichten Innenraum ist der Altaraufsatz aus Sandstein, der in der Art feststehender mittelalterlicher Flügelaltäre mit Renaissance-Dekor 1581 von Georg Schröter aus Torgau gefertigt wurde. Der Altar ist eine Stiftung von Hans und Otto von Schlieben, den Söhnen der damaligen Rittergutsfamilie. Der ausführlichen zeitgenössischen Inschrift auf der Rückseite nach dient der Altar zugleich als Epitaph für Michael v. Schlieben (†1572) und dessen Ehefrauen Catharina und Elisabeth.

In der Predella findet sich ein Abendmahlsrelief. Darüber steht im Mittelfeld ein vollplastisches Kruzifix vor einem perspektivisch angedeuteten Innenraum, in dem Christus von den männlichen Mitgliedern der Stifterfamilie kniend angebetet wird: links Michael v. Schlieben (1519-1572) und seine beiden ältesten Söhne Otto und Hans (alle im ritterlichen Harnisch), im benachbarten Seitenflügel die erste Gemahlin Catharina von Schlieben geb.v. Stotterheim mit ihren übrigen Kindern. Drei dieser sechs Töchter tragen wie ihre Mutter Frauentracht, während die anderen drei in Mädchenkleidung abgebildet sind.

In der rechten Hälfte des Mittelfeldes steht vorn der erste Sohn aus 2. Ehe, während die beiden anderen – noch im Knabenalter – knien. Alle drei tragen einen Gelehrtenmantel im Stil jener Zeit. Im nebenstehenden rechten Seitenflügel kniet die zweite Gemahlin Elisabeth von Schlieben geb. Löser mit den weitern Kindern – sechs Töchtern in Mädchentracht. Im geschwungenen Aufsatz ist die Opferung Isaaks als Relief dargestellt.

Die hölzerne Kanzel mit Schalldeckel stammt aus dem frühen 18. Jahrhundert. Ihr schließt sich der sogenannte “Pfarrstuhl” mit geschnitzten Rankengittern an, dessen Schiebefenster auf die frühere Funktion als evangelischer Beichtstuhl verweist. Zudem gibt es eine schlichte hölzerne Taufe in Form einer viereckigen Säule. Ein ehemals vorhandener Taufengel ging zu DDR-Zeiten leider verloren.

 

Annegret Gehrmann (2011)

 

Quellen:
Georg Dehio: Handbuch der dt. Kunstdenkmäler, Brandenburg; bearbeitet von Gerhard Vinken u. a.; Deutscher Kunstverlag 2000
Festschrift “650 Jahre Görsdorf” 1996
Notizen der Kirchgemeinde