Kasel-Golzig


 

Bilder: Die Kirche von außen, der Posaunenengel und die Patronatsloge

   
Schlüsselhüter / Kirchenöffnungszeit
   
   Werner Kulick, Golßener Str. 28, Tel. 035453/372
   

 

Der rechteckige Feldsteinbau wurde am Ende des 14. Jh. errichtet. Der Westturm unter einem schlanken verschieferten Spitzhelm kam evt. Anfang des 15 Jahrhunderts hinzu. Er ist oben in Backstein ausgeführt und mit gepaarten, rundbogigen Schallöffnungen versehen. Hier hängen drei Glocken unterschiedlicher Größe aus Klangstahl, 1958 in Lauchhammer gegossen. Auf der mittleren Glocke steht die Widmung „Heilig Abend 1958″.

In der südlichen Schiffswand befinden sich zwei spitzbogige Stufenportale. Vor das südöstliche wurde 1722 eine kleine Backsteinhalle gesetzt. In dieser Vorhalle ist eine Wetterfahne von 1719 zu sehen, die um die Jahreszahlen 1888 und 1964 ergänzt wurde.

Eine aufgeputzte Platte über dem südwestlichen Portal verweist auf die Erneuerungsphase: „Ren. 1722“. In jenem Jahr wurden auch die Fensteröffnungen in der Nord- und Südwand flachbogig erweitert, ebenso die der Dreifenstergruppe im Ostgiebel. Eine Besonderheit stellen die beiden großen Ovalfenster am westlichen Ende der Kirche dar – eines in der Nord-, das andere in der Südwand.

Im Inneren zeigt der Raum eine Balkendecke vermutlich noch aus der Spätrenaissance. Süd- und Nordempore dürften ebenfalls noch im 17. Jahrhundert eingebaut worden sein. Die Westempore würde später eingefügt. Über ihr bildete man 1833 eine Holztonne zugunsten des Einbaus einer Orgel aus. Das heutige Orgelwerk schuf Friedrich Ernst Gustav Heinze 1933. Der Prospekt ist 100 Jahre älter und stammt wohl von der Schröther-Orgel aus dem Jahr 1833.

Im Altarraum befindet sich auf der nördlichen Seite die Patronatsloge, die von einer geschnitzten Palme und aufgemalten Wappen flankiert wird. Ihr gegenüber an der Südwand steht die ehemalige Patronatsempore. Gemeinsam mit der Ostempore verdunkeln sie den Altarraum erheblich.

Der Kanzelaltar entstand sicher in der Zeit der barocken Umgestaltung, also bis 1722. In der Predella befindet sich ein Bild vom Abendmahl Jesu. Der Kanzelkorb ist umgeben von durchbrochenen Säulen und Akanthuswangen. Die Kanzel wird über die vermutlich zeitgleich entstandene Ostempore betreten.

Aus der gleichen Zeit wie der Altar stammt auch die Sandsteintaufe. Ihre hohe runde Kuppa zeigt zwei große Akanthusblätter und die Wappen der Familien von Schlieben und von Zeschow. Johann Wilhelm Siegismund von Zeschow, kurfürstlicher, wirklicher Hof- und Justitienrat, war Erb-, Lehn- und Gerichtsherr von Golzig und Garrenchen und gilt als der Erneuerer der Kirche.

Sein Grabstein befindet sich an der inneren Nordwand und zeigt den Verstorbenen als Relieffigur in Rüstung.

Im nördlichen Teil der Ostwand ist eine spitzbogige Sakramentsnische zu finden. Sie wird von einer Tür verschlossen und ist innen in zwei Fächer unterteilt.

Südöstlich hinter dem Altar steht ein sog. gemeiner Kasten.

An der südlichen Innenwand hat sich aus der mittelalterlichen Zeit außerdem ein Weihekreuz erhalten.

Über dem südlichen Eingangsportal verweist eine Inschrift auf die verschiedenen Umgestaltungsphasen der Kirche: „Durch Gottes Gnaden ward diese Kirche vor 1346 erbauet, im Jahre 1722 wiederhergestellt /1927 und 1970 erneuert.”

Ob der hölzerne Taufengel aus der 1. Hälfte des 18.Jahrhunderts, der jetzt über der Orgelempore schwebt, ursprünglich zur Kirche gehörte, ist unklar. Er wäre dann zeitgleich zur Taufe vorhanden gewesen. Da beide Arme ergänzt sind, läßt sich ihre originale Haltung nicht mehr ermitteln.

Diesem Engel zugeordnet sind zwei ebenfalls barocke Posaunenengel, die evt. zum Prospekt einer Vorgängerorgel gehörten und aus der Werkstatt des Bildhauers Beyermann in Lübben stammen.

 

Annegret Gehrmann (2020)

 

Quellen:
Georg Dehio: Handbuch der dt. Kunstdenkmäler, Brandenburg; bearbeitet von Gerhard Vinken, durchgesehen und erweitert von Barbara Rimpel; Deutscher Kunstverlag 2012
Jung/ Spatz: Die Kunstdenkmäler der Prov. Brandenburg, Berlin 1917, Band 5, Teil 1: Kreis Luckau
Taufengel in Brandenburg; Arbeitshefte des BLDAM 2013, Nr. 31; Michael Imhof Verlag
Kunstgut-Datenbank der EKBO
https://de.wikipedia.org/wiki/Gustav_Heinze