Walddrehna


 

Bilder: Die Kirche von außen, ein mittelalterliches Fenster und eine Nische mit mittelalterlicher Malerei

   
Schlüsselhüter / Kirchenöffnungszeit
   
   Fam. Blichmann, Hauptstr. 2, Tel. 035455/ 665

Frau Terno, Hauptstr. 24, Tel. 035455/ 747

Kirchenführung nach Anmeldung erhältlich bei: Siegfried Blichmann, Tel. 035455/ 665
   

 

Der Ort ist unter dem Namen „Drenow“ oder „Drenau“ 1481 erstmal urkundlich erwähnt.

Um eine Verwechslung mit Deutsch (heute Fürstlich) Drehna auszuschließen, wurde ab dem 15. Jahrhundert der Zusatz „Wendisch“ oder „Windisch“ beigefügt. 1937 wurde Wendisch Drehna auf Erlaß der Nationalsozialisten in Walddrehna umbenannt.

Bei der Kirche Walddrehna handelt es sich um einen mittelalterlichen Feldsteinbau mit eingezogener Apsis, auf der eine barocke Schweifhaube sitzt. Das westliche Hauptportal befindet sich unter einer hohen offenen Turmhalle, was einen für die Niederlausitz völlig ungewöhnlichen Bautypus darstellt.

Hohe Spitzbogenarkaden ruhen auf zwei mächtigen gemauerten Rundpfeilern. Darüber liegt das Glockengeschoß. Die ältere Glocke wurde 1708 von Michael Weinhold in Dresden gegossen. Eine weitere, 1930 durch den Gemüsehändler Berthold gestiftete Glocke, ist Kriegsverlust und wurde 1955 ersetzt.

An größeren Flächen der West- und Nordfassade sowie über dem Südportal haben sich spätmittelalterliche Putze erhalten, die teilweise noch die ehemals farbig gestalteten Ritzungen aufweisen. Hiermit wurden besonders auch die Eingangsbereiche hervorgehoben – über dem Westportal läßt sich ein großes Ornament erahnen.

Im Zuge der Innenraumsanierung 2016-17 konnte man zu beiden Seiten der Apsis mittelalterliche Ornamentmalerei freilegen: gotische Ziergiebel – sog. Wimperge -, die darunterliegende Nischen bekrönten. Und auf der Wand über dem Triumphbogen wurde ein großes Wellenband mit stilisierten Akanthusmotiv sichtbar gemacht.

Während der Putzsanierung in der Apsis fand man direkt hinter dem Altar das innere Gewände eines mittelalterlichen Fensters, das außen in zugemauertem Zustand noch sichtbar ist. Es zeigt im Inneren ein dreifach gestuftes Gewände und ist mit seinen ungewöhnlich reichen Formsteinprofilen weitgehend unbeschädigt erhalten.

Offenbar stammen alle qualitätsvollen Gestaltungselemente der Kirche aus der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts: die ungewöhnlich reichen Formsteingewände an den Fenstern und Portalen, die Apsiswölbung in Backstein und der Innen- sowie Außenputz mit Ritzungen und geometrischer Ornamentmalerei. Damit stellt sich die Frage, ob die Kirche in Walddrehna nicht überhaupt als weitgehender Neubau dieser Zeit anzusehen ist.

Darauf deuten auch die ungewöhnlich niedrigen Fenster hin sowie bereits beim Bau angelegte Mauerrücksprünge im Innern der Kirche. Sie sollten möglicherweise ein Tonnengewölbe aufnehmen, das dann aber nicht ausgeführt wurde. Auch diese Indizien weisen auf einen Kirchenbau aus dem 14./15. Jahrhundert hin.

Aus dem 15. Jahrhundert haben sich die Türblätter des Süd- und Westportals erhalten. Das Holz der Südtür konnte etwa auf das Jahr 1471 datiert werden.

Ebenfalls aus dieser Zeit stammt im Kirchenraum die Holz-Skulptur eines sitzenden Jakobus des Älteren. Sie ist durch die Jakobsmuschel am Pilgerhut erkennbar, erhielt aber leider er um 1960 eine neue, unsachgemäße Fassung.

Vermutlich im späten 17. Jahrhundert wurde die Kirche umgestaltet. Die Apsis bekam ihre barocke Schweifhaube, und auf der Südseite setzte man ein großes Fenster ein. Innen errichtete man den barocken Altaraufsatz sowie die Kanzel.

Der Altar zeigte ursprünglich in der Predella ein Abendmahlsbild, im Hauptfeld die Kreuzigung und im sog. Auszug wahrscheinlich die Himmelfahrt. Die heute sichtbaren Ovalbilder sind Reproduktionen auf Papier und wurden im späten 19. Jahrhundert eingefügt – darunter befinden sich die Reste der originalen Gemälde.

Das Bildprogramm der Kanzel ist eher ungewöhnlich: Predigt, Kreuznahme (Nachfolge Christi), Gebet und das Jüngste Gericht mit dem Höllenschlund. Der Schalldeckel trägt eine sogen. „Spangenkrone“. Altar und Kanzel konnten 2004 restauriert werden.

Die Westempore entstammt der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Hier errichtete Robert Uibe aus Schlaben bei Neuzelle 1888 eine kleine mechanische Orgel. Sie zeigt heute wie die Empore eine Fassung aus den 1950er Jahren.

Die Kirche beherbergt einen kleinen Taufengel vom Anfang des 19. Jahrhunderts, der um 1960 neu gefaßt wurde. Während einer Taufe wird er heruntergelassen und hält dann eine zinnerne Taufschale.

In den vergangenen Jahren erfolgten umfangreiche Maßnahmen zur Instandsetzung der Kirche:

2010–13 Sanierung der Außenhülle:

  • Sicherung der mittelalterlichen Putze
  • Erneuerung des Glockenstuhls, Einbau von Schall-Luken
  • Rekonstruktion der Mauerkrone, Reparatur des Dachgestühls, Neueindeckung des Schiffs
  • Instandsetzung aller Fenster und der Außentüren
  • Pflasterung des Zugangsbereichs

2016–17 Sanierung des Innenraums:

  • Instandsetzung der Bretterdecke, Einbau eines Dachraumzugangs
  • Sicherung der mittelalterlichen und barocken Innenwandputze
  • Freilegung der Ornamentmalereien und des Apsisfensters aus dem Mittelalter

 

Annegret Gehrmann (2020)

 

Quellen:

Dirk Schumann: Backstein, Feldstein und Raseneisenstein, Überlegungen zum ländlichen Kirchenbau der Niederlausitz anhand ausgewählter Beispiele in:
Annegret Gehrmann, Dirk Schumann (Hrg.): Dorfkirchen in der Niederlausitz. Kirchen im ländlichen Raum, Band 6; Lukas-Verlag Berlin, 2011

Thomas Krause: Dorfkirche Walddrehna. Die Baugeschichte eines einzigartigen Baudenkmals in: Annegret Gehrmann, Dirk Schumann (Hrg.): Dorfkirchen in der Niederlausitz. Kirchen im ländlichen Raum, Band 6; Lukas-Verlag Berlin, 2011

Jeanette Koletzki: Dorfkirche Walddrehna. Sicherung u. Konservierung von spätmittelalterlichen Putzen an der Fassade, Dokumentation 2011
Georg Dehio: Handbuch der dt. Kunstdenkmäler, Brandenburg; bearbeitet von Gerhard Vinken u. a.; Deutscher Kunstverlag 2000
Jung/ Spatz: Die Kunstdenkmäler der Prov. Brandenburg, Berlin 1917, Band 5, Teil 1: Kreis Luckau
Akten der Kirchgemeinde
Dorothee Schmidt-Breitung: Dokumentation zu den konservatorischen und restauratorischen Arbeiten in Langhaus und Chorapsis 2017