Beesdau


 

Bilder: Die Kirche von außen (Foto: Thomas Krause), der Epitaph im Innenraum und Blick auf ein Detail der Kanzel

   
Schlüsselhüter / Kirchenöffnungszeit
   
   Herr Schenker, Str. d. Einheit 41, Tel. 03544/ 12 070

Andreas Rückl, Str.d. Einheit 43, Tel. 03544/ 12 103
   

 

Bei der Beesdauer Kirche handelt es sich um einen rechteckigen Saalbau aus Feldstein, der vermutlich im Verlauf des 14. Jahrhunderts entstand.
Aus dieser ersten Bauphase sind noch die unteren Teile der Wände mit ihren sorgfältig behauenen Eckquadern in Raseneisenstein vorhanden, die drei schlanken Lanzettfenster der Ostwand und das spitzbogige Südportal – jetzt die Verbindung zwischen Schiff und südlicher Vorhalle. Sein Türblatt weist Beilspuren vom Versuch einer gewaltsamen Öffnung auf.
Den Baubeginn des leicht eingezogenen Westturms kann man dendrochronologisch datiert um 1483 ansetzen.

Umrundet man den Kirchbau, fällt zunächst auf der südlichen Turmseite eine frühere Öffnung unter einem gemauerten Spitzbogen auf – heute verschlossen und mit einer Fensteröffnung versehen. Unweit davon liegt das ehemalige, ebenfalls zugesetzte Gemeindeportal mit Raseneisensteingewänden. An der nördlichen Chorwand sind hinter einem hellen Putz die Reste einer Priesterpforte erkennbar. Darüber finden sich Spuren eines früheren Giebels – möglicherweise die im 19. Jh. abgerissene Sakristei.

Im 15. oder frühen 16. Jahrhundert hat man den Giebel der Ostwand mit Blendengliederungen erneuert, die heute allerdings nur noch teilweise erkennbar sind (vgl. Kirche Frankendorf). Gleichzeitig errichtete man das Oberteil des Turms mit seinen Schallöffnungen und dem Walmdach. Das Geläut besteht aus drei Glocken. Die Jahreszahl 1751 in der Wetterfahne bezieht sich auf die Erneuerung von Turmspitze und einem Teil des Kirchendachs nach einem Unwetter durch den Vormund des damaligen Herrn v. Polentz, Konsistorialrat u. Landesältester Carl Siegismund v. Zeschau (CS sowie VZ).
Um 1853 erfolgte der Einbau weiterer Emporen, und 1869 fügte man schließlich einen zweigeschossigen Südvorbau zur Aufnahme einer Patronatsloge an.

Der Innenraum wurde ursprünglich von einer hölzernen Tonne überspannt, die man bei der Errichtung des heutigen Dachtragwerks durch eine Balkendecke ersetzte. In der Nordwand befindet sich eine vergitterte gotische Sakramentsnische.

An der Nord- und Ostwand der Kirche haben sich umfangreiche Wandmalereien erhalten, die allerdings zum großen Teil von Epitaphen verdeckt sind. Bei Restaurierungsarbeiten wurden 1999 hinter dem großen Sandsteinepitaph des Jakob von Polenz Teile eines nie übermalten Wandmalereizyklus gefunden. Die Bilder sind in zwei Registern übereinander angeordnet und zeigen Szenen aus dem Leben Jesu: Gefangennahme, Beweinung und Grablegung. Daneben steht eine Darstellung mit der Stigmatisation des Hl. Franziskus. Da für das Epitaph kein anderer Ort gefunden werden konnte, sind die Malereien heute wieder verdeckt. Eine Tafel im Bereich der Winterkirche zeigt die restauratorische Nachbildung der Szene „Judaskuß und Gefangennahme Jesu“.
An der Ostwand hinter dem Altar ist figurenreich und detailliert die Marter des Heiligen Laurentius dargestellt.
Alle Wandmalereien sind in die Zeit um 1480 einzuordnen und weisen Beziehungen zu den Malereien in Briesen, Riedebeck und weiteren Kirchen der Umgebung auf.

Eine wichtige Rolle in der Geschichte der Beesdauer Kirche spielt die Familie derer von Polentz, ein altes meißnisches Adelsgeschlecht mit Stammhaus in Polenz bei Meißen. Sie tritt bereits zu Anfang des 15. Jahrhunderts in Beesdau auf und hat das Patronat bis 1794 inne. Bereits Mitte des 16. Jahrhunderts beginnt die Familie, die Kirche ihres Stammsitzes Beesdau neu auszustatten.
Westlich der Kanzel unmittelbar neben dem barocken Nordfenster befindet sich das Epitaph für Hans v. Polentz (†1564) und seine Frau Dorothea, im Jahr 1565 von dem Torgauer Bildhauer Georg Schröter geschaffen. Hans von Polentz hatte in Wittenberg studiert und soll in engem Kontakt mit Luther gestanden haben. Er gehörte zu dem Kreis von Adligen, die in der Niederlausitz schon ungewöhnlich früh und in bemerkenswerter Unabhängigkeit von den altgläubigen Landesherren die Reformation in ihren Besitz- und Patronatsgebieten einführten. Er berief den ersten evangelischen Prediger nach Beesdau.

Östlich der Kanzel steht ein monumentales Wandepitaph für seinen Bruder Jakob I. von Polenz († 1549). Die lebensgroß dargestellten Mitglieder der Familie in typischer Renaissancekleidung stehen dicht neben der zentralen Figur des Gekreuzigten. Das bekrönende Abendmahl
drückt ihre Verwurzelung im protestantischen Glauben aus.

In der Kirche finden sich noch weitere Epitaphe und Grabsteine:
• Westlich der Kanzel ein Grabstein für einen mit 5 Jahren verstorbenen Jacob v. Polentz (†1620) als Kind in Renaissancetracht
• Vor der Westempore ein Doppelepitaph für zwei adlige Damen, ebenfalls von Georg Schröter: Elisabeth von Uchtenhagen, geb. v. d. Schulenburg und
Anna von Arnt/Arnis geb. von Ziegesar – ihre eigentliche Grabplatte liegt im Fußboden teilweise unter dem Kanzelfuß. Beide Frauen sind im Februar 1563 verstorben. Zu Füßen von Anna liegt ein wohl ebenfalls verstorbener Säugling.

An der Ostwand hinter dem Altar gibt es weitere Figurengrabsteine für
Jacob II. v. Polentz in Ritterrüstung (†1587 im Alter von 42 Jahren) sowie für Elisabeth v. Polentz (†1626).
An die Südwand hat man erhöht ein Epitaph für Sarah v. Los (†1609) eingelassen, ebenfalls von einem Torgauer Bildhauer (Wolf Mönch).
Vor der südlichen Chorwand stehen ein Kindergrabstein für Elisabeth, Tochter des Jacob von Polentz (†1588) sowie der stark abgenutzte Grabstein für Elisabeth von Uchtenhagen geb. von der Schulenburg (†1563).

Die bemerkenswerte Sandsteinkanzel wurde 1566 durch Anna von Polentz, geb. v. Zabeltitz gestiftet, Witwe von Jacob I. Ihre Familie ist auf dem großen Wandepitaph östlich der Kanzel abgebildet. Auf die Kanzelstiftung verweist die Inschrift der von Engeln gehaltenen Kartusche. Der Kanzelkorb wird auch von einem Engel getragen und zeigt ein Relief des Paradiesgartens mit vielen Tieren und Gottvater.
In die hinteren beiden Felder des Kanzelkorbs sind zwei Kindergrabsteine eingelassen. Sie zeigen vermutlich verstorbene Kinder der Familie von Polentz. Das Töchterlein von Jacob II. auf dem hinteren Stein wurde mit gefalteten Händen und geschlossenen Augen dargestellt. Die Inschrift verweist auf das Todesjahr 1585. Auf dem rechten Stein schaut ein Mädchen in typischer Renaissancetracht und betender Geste den Betrachter mit offenen Augen an.
Auch die oberste Stufe des dreistufigen Podests vor dem Altar war einst Grabplatte für eine adlige Frau (evt. †1608). Die Inschrift hat sich nur in Resten erhalten.

Mit der Ausstattung seit Mitte des 16. Jahrhunderts wurde die kleine Beesdauer Kirche zu einem repräsentativen Memorialraum derer von Polentz, der einen nahezu fürstlichen Anspruch vermittelt. Das zeigt sich auch darin, daß die Familie schließlich im Jahr 1616 den bedeutenden Bildhauer Samuel Hanauer aus Strehla bei Riesa für die Errichtung des sandsteinernen Altaraufsatzes verpflichtete. Hanauer schuf ebenso das Hochaltarretabel der Stadtkirche in Lübben und möglicherweise – das legen stilistische Vergleiche nahe – gleichfalls das große Altarretabel in der Kirche Bornsdorf.

Der Beesdauer Altar zeigt in der Mitte des mehrgeschossigen Aufbaus die Reliefs
Abendmahl, Grablegung und Auferstehung Christi. Auf den Gesimsen seitlich der Grablegung kniet die Stifterfamilie, auf den Voluten darüber und neben der Auferstehung erkennt man die vier Evangelisten, die allerdings wie viele der Figuren am Altar teilweise stark beschädigt sind. Den Aufbau bekrönt eine Kartusche mit der Taube als Symbol des Heiligen Geistes, darüber steht ein posauneblasender Engel.
In den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts hat man auf Anordnung des damaligen Superintendenten Altar und Epitaphien weiß übertüncht. Dadurch wurde im Unterbau des Altars eine Inschrift vernichtet, die vermutlich Bezug auf seine Stiftung nahm. Am Gesims über diesem jetzt leeren Feld haben sich lediglich zwei Wappen erhalten.

In den Jahren 1996 bis 2002 und später fanden umfangreiche Arbeiten an und in der Kirche statt:

  • 1996 Sanierung von Dachtragwerk und Mauerwerk
  • 1997-98 Deckung des Kirchenschiffdaches mit Mönch-Nonnen-Ziegeln, Ergänzung und Teilerneuerung des Traufgesimses, Putzergänzungen
  • 1998 detaillierte Untersuchungen der Innenausstattung, Ermittlung des historischen Fußbodenniveaus der Kirche -> Absenkung des Fußbodens, begleitet von archäologischen Sondagen
  • 1998 Restaurierung des Altars, Sicherung der Kanzel
  • 1999 Demontage und Beginn der Restaurierung des Epitaphs für Jacob v. Polentz († 1549), Entdeckung der sehr gut erhaltenen Wandmalerei dahinter
  • 2000 Planung und Umbau der Winterkirche im westlichen Kirchenschiff
  • 2001 Fortsetzung der archäologischen Grabungen durch das BLDAM (u. a. Auffindung eines älteren Feldsteinfußbodens mit zahlreichen darin erhaltenen Kleinfunden, darunter 238 Stecknadeln und 415 Münzen), Erneuerung des Fußbodens nach historischer Vorlage, Abschluß der Restaurierung des Epitaphs Jacob v. Polentz
  • 2002 Abschluß der Baumaßnahme Winterkirche, Einbau des neuen Gestühls
  • 2013/14 Konservierung/Restaurierung der Kanzel und weiterer Epitaphe: Jacob v. Polentz als Kind, Doppelepitaphe für Hans v. Polentz nebst Ehefrau sowie für zwei Frauen (v.d. Schulenburg, v. Ziegesar) – alle an der Nordwand

 

Annegret Gehrmann (2021)

Quellen:
Jung/Spatz: Die Kunstdenkmäler der Prov. Brandenburg, Berlin 1917, Band 5, Teil 1: Kreis Luckau
Georg Dehio: Handbuch der dt. Kunstdenkmäler, Brandenburg; bearbeitet von Gerhard Vinken, durchgesehen und erweitert von Barbara Rimpel; Deutscher Kunstverlag 2012
Mittelalterliche Wandmalerei in Brandenburg, Bd. 1: Der Südosten – die Brandenburgische Lausitz; Wernersche Verlagsgesellschaft und BLDAM 2010
Kunstgut-Datenbank der EKBO
Markus Agthe/Uwe Mücklausch: Arbeitsberichte zur Bodendenkmalpflege in Brandenburg 16, 2006
Alexander Bankert, Dipl.-Restaurator: Dokumentation zur Voruntersuchung Altar