Luckau, St. Nikolai


 

Bilder: St. Nikolai von außen, der Altar (Foto: B. Steinhagen) und die Westempore mit Orgel (Foto: B. Steinhagen)

   
Schlüsselhüter / Kirchenöffnungszeit
   
   Mo - Sa 9 -18 Uhr, So 13 -18 Uhr
kurzfristige Änderungen der Öffnungszeiten sind möglich,
Anfragen per AB im Gemeindebüro, Tel. 03544/ 2339;
weitere Infos siehe http://www.kirche-luckau.de

Kirchenführung nach Anmeldung erhältlich bei: Kirchenführungen und Gruppenbesuche sind bis auf Weiteres nicht möglich
   

 

Die größte gotische Stadtkirche der Mark Brandenburg überragt mit ihrem mächtigen Dach und dem zweitürmigen Westbau weithin sichtbar das Luckauer Stadtbild. Mit einer Gewölbehöhe von 20 Metern und einer Länge von 70 Metern ist die Kirche der größte umbaute mittelalterliche Raum im heutigen Land Brandenburg. Zudem besitzt die dreischiffige Hallenkirche den frühesten Umgangschor der Niederlausitz.

Ergänzt werden diese Superlative durch die einzigartige und umfangreiche Ausstattung des späten 17. Jahrhunderts.

 

Zur ersten Information hier eine Übersicht zur Bau- und Ausstattungsgeschichte:

  • Die Nikolaikirche besaß einen Vorgängerbau. Hiervon ist nur der untere Teil der Westtürme aus Feld- und Raseneisensteinquadern aus der Mitte des 13. Jh. erhalten. Der Traufbereich des Vorgängerbaus war ähnlich wie in der benachbarten Dorfkirche Riedebeck mit einem romanischen Rundbogenfries versehen.Die „Rekonstruktion der verschiedenen Bauzustände“ von Dirk Schumann – Quelle s.u.: „Zwischen Himmel und Erde“:
    (Bild zum Vergrößern anklicken)

 

  • In der 1. Hälfte des 14. Jh. wurden die mächtigen Turmaufbauten in Backstein weitergeführt. Möglichweise fand bereits zu dieser Zeit ein erster Umbau der spätromanischen Basilika zur gotischen Backsteinkirche statt.
  • 1375: Stiftung einer Paulinusreliquie durch Kaiser Karl IV., 1377 Anbau einer dazugehörigen Kapelle
  • Ein Stadtbrand um 1390 zog auch die Nikolaikirche in Mitleidenschaft – er dürfte Auslöser für den Neubau der Luckauer Stadtpfarrkirche gewesen sein.
  • Erst nach 1400 wurde mit dem Bau des fünfseitigen Chorschlusses begonnen (eine lange und hohe Choranlage) -> es entstand einer der längsten Hallenumgangschöre überhaupt. Der Chorrohbau war wohl 1430 fertiggestellt; gleichzeitig erfolgte der Anbau der zweigeschossigen Sakristei. An der Chorsüdseite wurde wohl das Portal aus der 1377 errichteten Kapelle wiederverwendet.
  • Erst danach bis Mitte des 15. Jh. errichtete man das Langhaus und diverse Kapellenanbauten. Die Stiftung eines Altars durch Familie Passerin nahe dem Turm 1455 markiert ein benutzbares Langhaus.
  • Die heutige äußere Baugestalt war zum Ende des 15. Jh. fertiggestellt
  • Die neu erbaute Kirche besaß mindestens neun privat gestiftete Altäre – ein Beispiel hat sich an einem südlichen Langhauspfeiler erhalten. 1539 wurde die Kirche evangelisch, doch ein tiefer Einschnitt erfolgte erst durch den großen Brand 1644: Dabei wurden die Chormittelschiffsgewölbe und fast die gesamte mittelalterliche Ausstattung zerstört. Einzelne Reliquiare und Kelche blieben erhalten.
  • Die Wiederherstellung der Kirche fand in den Jahren 1656–70 statt.

 

Etwa gleichzeitig wurden die Hauptstücke der neuen Ausstattung geschaffen:

  • Erstes und wichtigstes Objekt war die Kanzel 1664–66 von Andreas Schultze aus Torgau, ein Hauptwerk des Meisters. Aufgang, Kanzelkorb und -träger sind aus Sandstein, Kanzeltür und sternförmiger Schalldeckel aus Holz; die Fassung besorgte 1681 Christoph Mätschke aus Leipzig; zugehörig und ebenfalls von Mätschke ist die Malerei am Kanzelpfeiler: musizierende Engel im Wolkenhimmel
  • 1670 schuf Abraham Jäger aus Doberlug den monumentalen Altaraufsatz; die Gemälde stammen von Christoph Krause aus Großenhain.
  • Im gleichen Jahr (1670) fertigte Abraham Jäger auch die hölzerne Taufe in achteckigem Gehege samt Gitter.
  • Die große Orgel stellte Christoph Donath aus Leipzig 1672-74 her. Auf dem dreitürmigen Rückpositiv steht die Figur des Königs David zwischen zwei posauneblasenden Engeln. Die Bemalung und Vergoldung des Prospekts übernahm 1677 Christoph Mätschke. (Die Orgel wurde 1960-77 durch die Firma Schuke restauriert; 1979 wurde die Anordnung des Rückpositivs rekonstruiert)
  • Unter der Orgel stehen drei halbrund einschwingende Emporen übereinander: Rats-, Sänger- und Orgelempore. Die Ratsempore mit ihrer kräftigen Balustrade und den durchbrochenen Schiebegittern entstand 1670.
  • In den Seitenschiffen des Langhauses baute man später verglaste Patrizierlogen auf schlanken, gewundenen Holzsäulen – die nördliche Reihe 1719-22, die südliche 1724.
  • Darüber sitzen zu beiden Seiten offene Emporen.
  • Neben der Sakristeitür befindet sich die doppelläufige Wendeltreppe aus Holz, 1673 vom Tischlermeister Joachim Bandick aus Luckau gebaut. Sie führt sowohl zur oberen Empore als auch zu den Logen.
  • Über der Sakristeitür berichtet eine von gemalter Draperie gerahmte barocke Inschrift über die Zerstörung und den Aufbau der Kirche im 17. Jh.
  • Am dritten Langhauspfeiler im Südwesten hat sich ein bereits erwähnter mittelalterlicher Nebenaltar erhalten. Die Inschrift auf dem Abendmahlsbild besagt, daß er 1644–70 als Hochaltar diente. Am gleichen Pfeiler hängt ein Gemälde des Abendmahls der protestantischen Fürsten.
  • An den Langhauspfeilern finden sich prächtige hölzerne Epitaphe der bedeutendsten Luckauer Familien, alle aus der 2. Hälfte des 17. bis zur 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts.
  • Im Chorumgang hängen ein großes barockes Gemälde von Mose vor dem brennenden Dornbusch und ein Lutherbildnis von 1692 sowie zehn lebensgroße Pastorenbildnisse vom späten 17. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Dazwischen sind zahlreiche steinerne Epitaphe und Grabmäler in die Chorwand eingelassen.
  • 1898 stattete man die Kirche mit neuem Fußboden und Gemeindegestühl aus sowie mit Fenstern, die heute noch auf Südseite vorhanden sind
  • 1955 wurde die Marienkapelle unter Einbeziehung eines Jochs der Nordwestkapelle zur Winterkirche umgebaut
  • In den Jahren 1999-2005 erfolgte eine umfangreiche Sanierung der Kirche. Seit 2003 und bis heute werden zahlreiche Ausstattungstücke restauriert.

 

Zusammengestellt von Annegret Gehrmann (2020)

 

Quellen:
Dirk Schumann, Werner Ziems in: Zwischen Himmel und Erde – Entdeckungen in der Luckauer Nikolaikirche, Lukas-Verlag 2006
Georg Dehio: Handbuch der dt. Kunstdenkmäler, Brandenburg; bearbeitet von Gerhard Vinken, durchgesehen und erweitert von Barbara Rimpel; Deutscher Kunstverlag 2012