Gahro


 

Bilder: Die Kirche von außen, die Orgel und die Sakramentsnische

   
Schlüsselhüter / Kirchenöffnungszeit
   
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Die Kirche „St. Johannes“ ist ein Feldsteinbau aus dem 14. Jahrhundert. Der hölzerne Glockenturm im Westen wurde ca. 400 Jahre später angefügt und im 19. Jh. erneuert. In ihm hängen heute zwei Glocken – eine davon aus dem Jahr 1799.

In der Ostwand der Kirche haben sich das mittlere Lanzettfenster und das Kreisfenster darüber in ihrer ursprünglichen Form erhalten. Darunter sind Reste einer vermutlich mittelalterlichen Inschrift zu sehn. Auch das stichbogige Südportal ist noch vorhanden, auf dessen Türblatt man mittelalterliche Beschläge wiederverwendet hat. Die anderen Öffnungen wurden im Barock vergrößert.

Im Schiff gibt es eine Holzdecke mit profilierten Balken über einer dreiseitigen Empore. Ein Balken über der Nordempore zeigt die eingearbeitete Jahreszahl 1722.

Seit die Kirche Anfang der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts neu ausgemalt wurde, finden sich an den Emporen Symbole in einfacher künstlerischer Gestaltung als Gang durch das Kirchenjahr.
Auf der mittelalterlichen Mensa steht ein Kanzelaltar aus der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts, auf dessen Gebälk ein Strahlenkranz mit Taube sitzt. In der Predella befindet sich eine Kopie von Leonardo da Vinci´s Abendmahl (1952 gemalt von Fritz Streich*).

Der Orgelprospekt mit musizierenden Putten stammt von einem früheren barocken Werk (1733) – der Orgelbauer ist unbekannt. 1920 baute Arno Voigt aus Bad Liebenwerda ein neues Orgelwerk hinter die prächtige barocke Fassade. Es ist allerdings seit den sechziger Jahren unspielbar.

Ein besonderer Schatz der Kirche ist die in die Nordwand eingelassene vorreformatorische Sakramentsnische mit originalem Holzeinsatz. Die Malereien auf den Innenseiten der Türflügel (etwa Mitte des 15. Jahrhunderts) zeigen Christus als Schmerzensmann und Maria Magdalena mit dem Salbgefäß. Die sog. „Johannesschüssel“ entstammt dem Ende des 14. Jahrhunderts – allerdings wurde sie im 19. Jh. komplett übermalt.

Zum Johannistag, der am 24. Juni als angenommener Geburtstag von Johannes dem Täufer gefeiert wird, findet seit Jahrzehnten ein Gottesdienst in der Gahroer Kirche statt.
Gahro gehört in den Pfarrsprengel Weißack und ist verbunden mit Fürstlich Drehna/ Crinitz/ Babben. Gegenwärtig gibt es hier ein- bis zweimal im Monat Gottesdienste.

* Fritz Streich (geb. am 29.8.1893 in Königsberg), kehrte nach dem 1. Weltkrieg aus russischer Gefangenschaft nach Ostpreußen zurück und sicherte sich sein Einkommen durch Ikonenmalerei. Nach dem 2. Weltkrieg fand er seine Familie in Weißack wieder und wurde dort seßhaft. 1951 malte er für die Gemeindekirche in Weißack das Abendmahl (heute im Gemeindesaal). Ein zweites Abendmahl schuf er für die Kirche in Gahro. Fritz Streich starb am 10.9.1983 in Weißack.
(Informationen von Klaus und Hilde Streich, Nachfahren)

 

Annegret Gehrmann (2014)

 

Quellen:
Handbuch der dt. Kunstdenkmäler, Brandenburg; bearbeitet von Gerhard Vinken u. a.; Deutscher Kunstverlag 2000
Albrecht Bönisch: Die Orgellandschaft der NL; in „Dorfkirchen der Niederlausitz“, Hrg. A. Gehrmann, D. Schumann; Lukas Verlag 2011
Reinhild Magirius, Pfarrerin
Klaus und Hilde Streich, Bayern