Bornsdorf


 

Bilder: Die Kirche von außen, der Innenraum mit Blick nach Osten (Foto: B. Steinhagen) und die Lütkemüllerorgel auf der Westempore

   
Schlüsselhüter / Kirchenöffnungszeit
   
   Familie Döcke, Dorfstr. 14, Tel. 0160/ 92 76 92 55

Kirchenführung nach Anmeldung erhältlich bei: Annegret Gehrmann, Langengrassau; Tel. 035454/393
   

 

Der Vorgängerbau dieser Kirche stand nördlich.des Ortes an der B 96 (heutiger Friedhof). Von diesem Feldsteinbau aus der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts ist nur noch die Westwand mit den Ansätzen der seitlichen Schiffsmauern erhalten. Seine Zerstörung erfolgte möglicherweise Anfang des 15. Jh. in Zusammenhang mit den Hussitenkriegen – danach verlegte man den Ort vermutlich nach Süden.

Bei der heutigen Kirche handelt es sich im Kern um einen Feldsteinbau des 15. Jahrhunderts, der während eines Umbaus um 1700 die dreiseitige Apsis erhielt. Um 1750 erfolgte der Anbau von Logen an der Nord- und Südseite der Kirche. Auf den alten Resten des 1833 eingestürzten Turmes errichtete man drei Jahre später den heutigen Fachwerkstumpf mit einer massiven Westwand und dem Satteldach. Die Glocken hängen im separat stehenden hölzernen Stuhl.

Die einheitliche barocke Innenausstattung entstammt einer Umgestaltung um 1730 durch den Patron Caspar Sigismund v. Langen.

Der mehrgeschossige Sandstein-Altar entstand jedoch bereits im 17. Jahrhundert und weist typische Stilelemente der Renaissance auf. Im Zuge der barocken Umgestaltung wurde er 1730 erweitert und farbig neu gefaßt. In der Predella wird die gemalte Abendmahlsszene flankiert von den Reliefs der Verkündigung und Geburt Christi sowie den Wappen der Stifterfamilie. Im Hauptfeld findet sich eine gemalte Kreuzigungsszene mit Maria u. Johannes (das vollplastische Kruzifix fehlt), darüber die Grablegung und seitlich in den säulengerahmten Nischen eine Gethsemaneszene und die Kreuztragung. Als Aufsatz dient eine Rollwerkkartusche mit der Darstellung des Jüngsten Gerichts, flankiert von Figuren „Glaube“ (Fides) und „Liebe“ (Caritas) und bekrönt von Trinitätssymbol in einer Strahlenglorie. Seitlich auf Podesten stehen die Schnitzfiguren von Moses und Johannes.

In den Füllungen des Kanzelkorbs sieht man die Gemälde der vier Evangelisten und am Aufgang Szenen aus den Büchern der Propheten des Alten Testaments. An der Kanzelrückwand hängt ein Christusbildnis, und auf dem Schalldeckel halten Putten das Allianzwappen des Stifterehepaares v. Langen/ v. Stutterheim. Dies alles wird von einem gemalten Vorhang gerahmt. An den Kanzelaufgang schließt sich ein evangelischer Beichtstuhl an, der reich mit Akanthusschnitzwerk verziert ist. Sein Bildprogramm weist eindeutig auf die Sündenvergebung hin. Der gesamte Kanzelaufbau stammt aus der Zeit Anfang des 18. Jahrhunderts.

Die Sandsteintaufe in Kelchform entstand wohl gleichzeitig mit dem Altaraufsatz und in derselben Werkstatt, wurde aber 1730 überarbeitet und neu datiert. Neben Schriftkartuschen und Stifterwappen am Becken zeigt sie Fruchtgehänge und Puttenköpfe am Fuß.

Die beiden lebensgroßen Sandsteinfiguren in der Kleidung des 17. Jahrhunderts sind vermutlich die Stifter der ursprünglichen Renaissance-Ausstattung der Kirche mit Altar und Taufe – ein männlicher Angehöriger aus der Patronatsfamilie derer v. Wolfersdorff und seine Gemahlin.

Die Stifter der Barockausstattung von 1730 sind mit gemalten Epitaphien in Vorhangrahmung an den Apsiswänden verewigt: Carl Sigismund v. Langen u. seine Frau Anna Emilia v. Langen geb. v. Stutterheim.

Das reich bemalte Kastengestühl im Schiff entstand vermutlich ebenfalls in der Phase um 1730. Das einzelne Gestühl vor der Wand zur Südloge dagegen dürfte fast 100 Jahre älter sein.

Unter der flachen Putzdecke stehen kurze zweigeschossige Emporen, während die Orgelempore ins Schiff vorschwingt und an den Brüstungen gemalte Spruchkartuschen und musizierende Engel zeigt. Diese Empore wurde für die Orgel von F. H. Lütkemüller aus Wittstock (1877) nach vorn gezogen und damit verbreitert. Das original erhaltene romantische Instrument ist seit 2019 wieder spielbar.

In der Wandnische gegenüber der Südtür hängt eine seltene Totenkronentafel für das 1744 mit 10 Jahren verstorbene Töchterlein des damaligen Pfarrers Oelsel. Das zugehörige Konsolbrett zur Aufnahme der Kronen fehlt leider.

Nachdem die Bausubstanz der Kirche durch die frühere Tagebau-Grundwasserabsenkung stark in Mitleidenschaft gezogen war, wurde die besonders gefährdete Südloge 1997/98 saniert. Gleichzeitig fanden Arbeiten am Mauerwerk statt, Dachtragwerk und -deckung der Kirche wurden erneuert.

Seit 2006 wird schrittweise der Innenraum saniert und die gesamte Ausstattung im Sinne der barocken Phase von 1730 denkmalgerecht konserviert bzw. restauriert.

  • 2006: Reparatur des Gemeindegestühls incl. restauratorischer Notsicherung seiner barocken Malerei, Orgelabbau und -einlagerung incl. Holzwurmbekämpfung, Teilreparatur des Emporenfußbodens, Putzausbesserungen an Wänden und Decke sowie Neufassung des Innenraums nach Befund
  • 2007: Sicherung der Draperieummalung an zwei Epitaphien, Freilegung und Restaurierung der barocken Brüstungsmalerei unter den Logenfenstern
  • 2008: Konserv./Restaurierung der barocken Kanzel mit Aufgang u. ev. Beichtstuhl, Restaurierung der barocken Draperieummalung, Sicherung der Sandsteintaufe
  • 2013/14: Restaurierung des Altaraufsatzes
  • 2014: Restaurierung des historischen Altarparaments von 1851
  • 2015/16: Trockenlegung des dreiseitigen Ostschlusses
  • 2017: Bekämpfung des aktiven Anobienbefalls an allen hölzernen Orgelteilen
  • 2018/19: Reparatur der Lehmdecke über der Orgelempore; Restaurierung der Lütkemüller-Orgel

 

Annegret Gehrmann (2020)

 

Quellen:
Georg Dehio: Handbuch der dt. Kunstdenkmäler, Brandenburg; bearbeitet von Gerhard Vinken u. a.; Deutscher Kunstverlag 2000
Jung/ Spatz: Die Kunstdenkmäler der Prov. Brandenburg, Berlin 1917, Band 5, Teil 1: Kreis Luckau
Akten der Kirchgemeinde