→ zurück

21.09.2016

Dozenten geben Auftakt für Orgelakademie

Internationale Veranstaltung erlebt fünfte Auflage / Einzigartige Möglichkeiten in Kirchen der Region für die Studenten
GOLSSEN Vier Tage lang erweitern in dieser Woche 15 Studenten aus Deutschland, Polen, Japan und Südkorea ihre Kenntnisse an sechs historischen Orgeln in der Region. Zum Auftakt gaben ihre Dozenten in der Golßener Stadtkirche ein stimmungsvolles Konzert.

Die drei Dozenten der Orgelakademie: Prof. Slawomir Kaminski aus Poznan, Prof. Matthias Maierhofer aus Freiburg/Breisgau und Prof. Martin Schmeding aus Leipzig (v.l.).
Foto: B. Keilbach/bkh1

 

Nacheinander nahmen die drei Dozenten am Montagabend am Spieltisch der Schuke-Orgel in der Golßener Stadtkirche Platz. Sie boten den rund 50 Zuhörern ein abwechslungsreiches Konzert, in dessen Mittelpunkt drei Komponisten standen. Matthias Maierhofer, Professor für Orgel an der Musikhochschule in Freiburg/Breisgau spielte Bach. Prof. Slawomir Kaminski, der an der Hochschule für Musik in Poznan lehrt, brachte Stücke des Polen Feliks Nowowiejski, dessen Todestag sich 2016 zum 70. Mal jährt, zu Gehör.

Der deutsche Komponist, Organist und Dirigent Max Reger starb 1916 in Leipzig. Anlässlich seines 100. Todestages ließ Prof. Martin Schmeding einige Kompositionen Regers in Golßen hören. Martin Schmeding hat das gesamte Orgelwerk Regers auf historischen Sauer-Orgeln, darunter auch auf einigen Instrumenten in der Region, für ein CD-Projekt eingespielt, machte Rudolf Bönisch das Publikum aufmerksam.

Der Vorsitzende des Großrä-schener Vereins Orgelklang hat vor fünf Jahren gemeinsam mit den drei Dozenten sowie dem in Prag lehrenden Prof. Jaroslav Tuma die Niederlausitzer Orgelakademie initiert. Dass es bereits die fünfte Auflage gibt, ist einerseits dem Engagement der Lehrenden und des Vereins zu verdanken. Darüber hinaus unterstützen laut Rudolf Bönisch der Kirchenkreis Niederlausitz, das Kulturradio des RBB, das Lübbenauer Autohaus Lowka und weitere Sponsoren dieses in Deutschland einmalige Projekt.

“Das gute Netzwerk hier in der Region ermöglicht es, dass alle Studenten auch alle Instrumente kennenlernen können. Denn die kleinen Orgeln in kleinen Häusern geben eine direkte Rückmeldung, alles ist unverfälscht in der Akustik zu hören”, erläutert Martin Schmeding.

Die Niederlausitzer Orgellandschaft bietet auf kurze Entfernung eine große Vielfalt bedeutender Orgeln von der Barockzeit bis zur Romantik. “Es gibt Gegenden, die solche Instrumente gar nicht mehr haben. Deshalb ist es für die Studenten eine einzigartige Möglichkeit, sich mit den Instrumenten zu beschäftigen”, sagt Matthias Maierhofer. Die Ausbildung erfolge überall an modernen Instrumenten. Doch nach dem Studium hier wüssten die Studenten Dinge, die sie in ihre Musik künftig einfließen lassen können, um ausdrucksvoller zu interpretieren. Im übertragenen Sinne sei das vergleichbar mit dem Umstieg von einem Auto mit Automatik auf verschiedene Oldtimer-Zweitakter mit Schaltgetriebe. “Das ist eine enorme Umstellung. Doch alles wird einfacher, wenn man es einmal praktisch erprobt hat”, zieht der Orgeldozent einen Vergleich.

Diese Erfahrung hat Ina Stoertzenbach vor zwei Jahren bereits gemacht. “Das war sehr inspirierend, aber noch vor Beginn meines Studiums. Jetzt will ich Stücke, die ich im Semester gelernt habe, auf den historischen Instrumenten spielen”, sagt die Kirchenmusikstudentin aus Freiburg im Breisgau.

Die Japanerin Kaoru Oyamada studiert im siebenten Semester Kirchenmusik in Leipzig und hat die Gelegenheit vor Abschluss ihres Studiums im kommenden Jahr ergriffen. “Ich möchte hier mit den verschiedenen Professoren konzentriert lernen”, sagt die 33-Jährige. Staunend betrachtet auch Jiwon Seo aus Südkorea die Abbildungen der Spieltische mit nur einem Manual und bekommt eine Ahnung davon, was sie in dieser Woche erwartet. In Japan und auch in Südkorea sind solche historischen Instrumente kaum vorhanden. “Wir haben viele elektronische Orgeln in den Kirchen, deshalb möchte ich diese historischen Instrumente unbedingt kennenlernen”, sagt die 26-jährige Jiwon Seo.

Am Freitag, 23. September, beginnt um 19 Uhr die 5. Niederlausitzer Orgelnacht in der Kirche Waltersdorf bei Luckau. Auf der barocken Claunigk-Orgel werden die Studenten Werke verschiedener Komponisten zu Gehör bringen.

Birgit Keilbach (vollständiger Text unter www.lr-online.de)

→ zurück