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01.10.2012

Bezaubernde Orgelnacht-Premiere

Studenten und Dozenten musizieren auf historischer Claunigk-Orgel in Waltersdorf
WALTERSDORF. Vier Tage lang haben 19 Studenten von vier Musikhochschulen in Deutschland, Polen und Tschechien an zehn historischen Orgeln in der Niederlausitz ihre Kenntnisse und Fertigkeiten erweitert. Den Abschluss dieses ersten internationalen Orgelkurses bildete ein ganz besonderes Musikerlebnis – die erste Orgelnacht in der Waltersdorfer Kirche.

Jedes der historischen Instrumente erfordert eine ganz eigene Spielweise. So probten
die Studenten vor der Orgelnacht noch jeweils ihr dargebotenes Stück, darunter auch
Marek Mosnar vom Konservatorium in Topolcany (Slowakei).
Foto: B. Keilbach/bkh1

 

“Sie erleben heute ein Novum in der Niederlausitzer Orgellandschaft”, erklärte Organisator Rudolf Bönisch den Zuhörern in der kleinen Dorfkirche (>> zum Kirchenporträt). Anders als bei sonstigen Orgelkonzerten mit thematischer Ausrichtung sei Orgelmusik heute in großer Vielfalt zu erleben. Während der drei Abschnitte des fünfstündigen Konzerts konnten die Zuhörer insbesondere die klangliche Vielfalt der spätbarocken Claunigk-Orgel sehr bewusst wahrnehmen.

Vorangegangen waren dem Konzert vier intensive Studientage der jungen Nachwuchsorganisten. In den Kirchen von Golßen, Doberlug, Zieckau, Uckro, Waltersdorf, Langengrassau, Trebbus, Prießen, Frankena und Klettwitz erhielten sie von ihren Dozenten praxisorientierten Unterricht an Instrumenten mit spätbarocken oder romantischen Klangfarben in den verschiedenen Kirchenräumen. Jeweils zwei Instrumente lernten sie täglich näher kennen.

Ihre Erfahrungen gaben Prof. Martin Schmeding (Freiburg), Prof. Jaroslav Tuma (Prag), Prof. Slawomir Kaminski (Poznan) und Dozent Matthias Maierhofer (Leipzig) den jungen Musikern weiter.

Für die 22-jährige Agnieszka Kosmecka war es eine sehr schöne Erfahrung, auf den verschiedenen historischen Instrumenten zu spielen. “Vor allem die technischen Erklärungen waren sehr wichtig”, erklärt die Poznaner Musikstudentin im fünften Studienjahr. Zudem habe sie viele kompositorische Anregungen und Ideen für eigene Stücke von den Dozenten erhalten, ergänzt sie. Am besten gefallen habe ihr die kleine Barock-Orgel in Frankena.

Er habe besonderes Interesse an den kleinen Sauer-Orgeln gehabt, “denn ich bin in Hermannstadt in Siebenbürgen an einer großen aufgewachsen”, begründet Victor Radulescu seine Teilnahme am Kurs. “Nicht nur die Sauer-Orgeln, alle historischen Instrumente hier weisen einen sehr guten Zustand auf”, betont der 24-jährige Student an der Freiburger Musikhochschule. Die eigene Spielweise an die unterschiedlichen Trakturen anzupassen und die Stücke klanglich optimal darzustellen, sei die besondere Herausforderung dieses Kurses gewesen, ergänzt er.

“Es ist eine interessante Idee von Rudolf Bönisch, solch ein Seminar durchzuführen”, schätzt der Professor für Orgelspiel an der Musikakademie Poznan, Slawomir Kaminski, ein. Vor zehn Jahren sei er schon einmal mit Studenten zu einem Seminar für Kammer- und Orgelmusik in Großräschen gewesen – mit sehr guten Erfahrungen. Für die Studenten sei es wichtig, historische Instrumente kennenzulernen, denn in den Musikschulen stünden moderne und bequeme Instrumente für die Ausbildung zur Verfügung.

“Die historischen Orgeln in den Kirchen sind große Schätze, die einen unverwechselbaren Klang haben”, hebt der Dozent die Bedeutung hervor. Und ein solcher praktischer Unterricht mache die Studenten mit den zahlreichen unterschiedlichen Anforderungen, die sie an das Können eines Organisten stellen, vertraut, ergänzt Slawomir Kaminski.

Birgit Keilbach(Text erschienen unter www.lr-online.de)

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