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23.12.2015

800 Euro für Tschernobylkinder

Benefiz-Weihnachtskonzerte in Langengrassauer Kirche haben eine lange Tradition
LANGENGRASSAU Einen stimmungsvollen Adventsnachmittag, verbunden mit einem guten Zweck, haben in der Dorfkirche von Langengrassau zahlreiche Zuhörer erlebt. Der Gesangsverein Frohsinn 1877 des Heideblicker Ortsteils veranstaltete sein traditionelles vorweihnachtliches Konzert zugunsten des Dahmer Tschernobyl-Arbeitskreises. Insgesamt 800 Euro legten die Zuhörer in die Körbe.

Zum Abschluss haben die Chöre und ihre Zuhörer alle gemeinsam “Oh du fröhliche Weihnachtszeit” in der Langengrassauer Kirche gesungen.
Foto: Keilbach/bkh1

 

“Guten Abend, schön’ Abend” begrüßten die Langengrassauer Sängerinnen und Sänger unter Leitung von Renate Mattern das Publikum. In der mit Tannengrün und Kerzen geschmückten Kirche unternahmen sie im Wechsel mit dem Männergesangsverein 1836 Schlieben eine besinnliche Reise durch die Stille der Adventszeit voller Erwartung. Klassische Weihnachtslieder boten die passende Einstimmung auf das bevorstehende Fest, ergänzt mit Gedichten und kleinen Geschichten zum Zuhören und Nachdenken.

Das Benefizkonzert veranstaltet der Langengrassauer Klangkörper seit 1991. In dem Jahr entstand in Dahme der Arbeitskreis, der jährlich im Sommer von den Folgen der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl betroffenen Kindern einen erholsamen Aufenthalt ermöglicht. “Entstanden ist die Idee, unsere Einnahmen dafür zu spenden, durch den damaligen Chorleiter Uwe Kreuschner”, blickte Inge Lehmann zurück.

Im kommenden Jahr wollen die fünf engagierten Frauen aus Dahme zum 25. Mal nahe der verstrahlten Region aufwachsende Kinder in die Flämingstadt holen. Ilka Pietsch gab den Zuhörern Einblicke, die nachdenklich stimmten.

Am 26. April 2016 werde sich das Unglück zum 30. Mal jähren, sagte sie. “Viele denken, dass die Kinder nach der langen Zeit doch gar nicht mehr so krank sein können. Doch dem ist nicht so”, verdeutlichte die Dahmenserin den Konzertgästen. “Wir merken es, wenn sie hier sind und der Wind mal von der anderen Seite bläst. Dann sind sie schnell erkältet”, denn das Immunsystem sei nach wie vor schwach; auch bei der inzwischen zweiten heranwachsenden Generation.

Besonders betroffen seien die Knochen. Beispielsweise habe sich im vergangenen Jahr ein Junge verletzt. “Einmal falsch aufgetreten und schon war der Zeh gebrochen”, sagte Ilka Pietsch. Als sie ein Patenkind in Weißrussland besuchte, habe dessen Bruder Kopfstand gemacht und brach sich dabei einen Wirbel an, veranschaulichte sie, wie sich das drei Jahrzehnte zurückliegende Ereignis noch heute auswirkt. Viele der vom Dahmer Arbeitskreis betreuten Kinder kämen aus dem Kreis Bychow, der Tschernobyl am nächsten gelegenen Region. Als Dankeschön für die langjährige Unterstützung überreichte Ilka Pietsch den Langengrassauer Sängern ein von den Kindern in der Bychower Schule aus Holz gefertigtes Bild typisch belorussischer Volkskunst. Die Dahmenser sind darüber hinaus auch allen Unterstützern unter dem Dach der Arbeiterwohlfahrt dankbar, die ihnen Jahr für Jahr die Hilfe für die Kinder aus Weißrussland ermöglichten, ergänzte Ilona Radünz.

Es sei dem Langengrassauer Chor hoch anzurechnen, dass er sich so dauerhaft engagiere und jedes Jahr solch ein schönes Konzert organisiere. “Das ist heute nicht mehr überall selbstverständlich”, brachte Klaus Gentz seine Anerkennung zum Ausdruck. Lieder kommen von Herzen und gehen zu Herzen, “und wir können denken, fühlen, mitfühlen und aneinander denken”, fasste Pfarrer Frank Gehrmann das Anliegen in Worte, bevor er die Konzertgäste mit dem Segen Gottes auf den Heimweg schickte.

Bei Tee, Glühwein und Gebäck am Feuer klang der besinnliche Abend mit dem gemeinsamen Singen von Weihnachtsliedern aus.

Von Birgit Keilbach, erschienen in der Lausitzer Rundschau

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