Schwerpunkte

Bildungsarbeit
→ zurück

23.02.2017

Jede Kirche erzählt Geschichte(n)

GOLSSEN. 18 Frauen und Männer aus Kirchengemeinden der Region haben sich im Golßener Pfarrhaus zusammengefunden. Aufmerksam folgen sie den Erläuterungen von Gisela Donath.

Praktische Übungen gehören zum ersten Kirchenführerkurs in Luckau und Umgebung. In der Golßener Stadtkirche erläuterte Ines Kafert aus Prensdorf Wissenswertes über den Taufstein.
Foto: Keilbach/bkh1

 

Vor ihnen liegen Fotos mit Darstellungen der Abendmahls-Szene aus unterschiedlichen Dorfkirchen. Die Berliner Kirchenpädagogin im Ruhestand bringt ihnen nahe, welche Gemeinsamkeiten darauf zu entdecken sind. Warum die Taufsteine oft sechs- oder achteckig sind und es in manchen Kirchen Taufengel gibt, erfahren sie gleichfalls. Viele Details über die große Bedeutung einer möglichst frühen Kindstaufe für die Menschen im Mittelalter hat ihnen Annegret Gehrmann in einem anschaulichen Vortrag bereits vermittelt. Darüber hinaus wissen sie jetzt, welchen Ursprung Nebenaltäre haben und welchen Zweck die Sakraments-Nischen im Mittelalter erfüllten. Denn bis zur Reformation war auch die Niederlausitz katholisch. Viele Hinweise darauf sind in den Kirchen der Region noch heute zu entdecken.

Doch: Welche sind es und wie sind sie erkennbar? Was hat sich nach 1517 geändert? Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhalten die Frauen und Männer an sechs Samstagen.

Seit Oktober vergangenen Jahres bringt der Kirchenführerkurs den Teilnehmern an verschiedenen Orten die Gotteshäuser in Theorie und Praxis nahe. Schon lange verfolgte die Vorsitzende des Förderkreises „Alte Kirchen der Luckauer Niederlausitz“ diese Idee. „Er soll die Teilnehmer befähigen, als kompetente Ansprechpartner Auskunft zum Kirchgebäude und seiner Ausstattung geben zu können, es anderen und gleichzeitig sich selbst zu erschließen“, sagt Annegret Gehrmann. Zugleich reagiere der Kurs auf das zunehmende Interesse von Touristen an den vielen mittelalterlichen Kirchen in der Region. Auch religiös nicht gebundene Besucher wünschten Erläuterungen zum Gebäude, seiner Ausstattung und der religiösen Bedeutung. „Darin liegt auch die Chance zur Begegnung mit dem christlichen Glauben“, sagt Annegret Gehrmann.

„Wir praktizieren seit 2015 unsere offene Kirche und wenn die Leute Fragen haben, will ich ihnen zu den baulichen Besonderheiten und der Ausstattung Rede und Antwort stehen“, begründet Doreen Roy aus Prensdorf ihre Teilnahme am Kurs. Viele Hintergründe zur Architektur und Kirchengeschichte habe sie bereits erfahren. „Alles, was in der Kirche gemalt oder gebaut ist, hat einen konkreten Grund.“

Diese Erkenntnisse will Doreen Roy künftig den Besuchern des Prensdorfer Gotteshauses vermitteln. An der komplett sanierten und restaurierten Terpter Dorfkirche machen zunehmend Radtouristen aus dem Spreewald Halt. „Um ihnen sachkundig Auskunft zu geben, ist dieser Lehrgang ideal“, sagt Axel Dehlan vom Gemeindekirchenrat. Neben vielen religions-, kunst- und architekturhistorischen Fakten vermittle er auch, wie ein Kirchenführer auf verschiedene Besuchergruppen, darunter Familien, Jugendliche oder Senioren, eingehen kann. Birgit Schumann führt schon seit einigen Jahren Besucher am Tag des offenen Denkmals durch das Gießmannsdorfer Gotteshaus. Spannend sei für sie die Baugeschichte der Kirchen. „Sehr hilfreich ist auch der pädagogische Aspekt, wie ich eine Führung für die Besucher und auch für die Dorfbewohner selbst interessant gestalten kann“, sagt die Gießmannsdorferin. Darüber hinaus schätzt sie den Erfahrungsaustausch mit den anderen Teilnehmern. „Jeder will etwas machen, um das Interesse für seine Dorfkirche zu wecken. Hier kommen viele Ideen dafür zusammen“, bilanziert Birgit Schumann.

Zum Thema:

Die ev. Erwachsenenbildung (EAE), das Amt für kirchliche Dienste, der Förderkreis Alte Kirchen der Luckauer Niederlausitz und der Kirchenkreis Niederlausitz kooperieren. Der Kurs wird von Annegret Gehrmann, Kunstgutbeauftragte des Kirchenkreises, und Gisela Donath, Kirchenpädagogin im Ruhestand, geleitet. Franziska Fichtmüller von der EAE begleitet diese Arbeit. Aufgrund der großen Nachfrage ist ein weiterer Kurs angedacht.

Birgit Keilbach (vollständiger Text unter www.lr-online.de)

→ zurück