|
Die Berliner Gruppe "Harrys Freilach"
lockte mit Klezmer-Musik viele Langengrassauer und Gäste aus
der Region an. In die Kirche, deren Wurzeln bis in die spätromanische
Zeit der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts reichen, waren
durchaus vielseitige Künstler gekommen. Der Klarinettist Harry
Timmermann, Ehefrau Sophie (Gitarre) und Alexander Danko mit seinem
Bajan - einem so genannten Knopf-Akkordeon - nahmen gleich vom Anfang
an dem Publikum jegliche Angst, in die Zeit der Renaissance zurückgeführt
zu werden. Fröhlich ging es vom ersten Stück an zu - wie
es der Name der Berliner Gruppe auch verspricht.
Fröhliche Musik
Harry Timmermann hat die Gruppe in Berlin 1992 gegründet und
ihr seinen Vornamen gegeben. Hinter "freilach" steckt
das jiddische Wort "freylegk" und wurde so einfach mit
in den Gruppen-Namen übernommen. Das musikalische Trio bewies
in Langengrassau, dass Klezmer sowohl Musik als auch eine Gefühlshaltung
ist. "Das Instrument des Musikers ist der Ausdruck seiner Seele",
hat die Dichterin Ora bat Chaim einmal gesagt. Das Konzert zeigte,
wie recht sie haben kann - wenn gute Musiker Klezmer interpretieren.
"Klezmer spielen jene Musiker, die die Musik in der Luft durch
sich hindurch lassen und so selber zum Instrument der Musik werden",
sagte Harry Timmermann. Er absolvierte mit seiner Klarinette gemeinsam
mit seinen Kollegen ein musikalisches Feuerwerk im Wechsel der Gefühle.
Da war ein quicklebendiger Nigun als Tanzlied mit jauchzender Klarinette
zu hören. Aber im Stück "Am Sabbattag" erklang
die Klarinette als eher nachdenklich-zurückhaltendes Instrument.
Bei den "Klängen von Svat" erklomm sie förmlich
mit jedem Ton die Himmelsleiter. "Aber man muss so auch wieder
den Weg zur Erde finden", sagte Timmermann schmunzelnd seinem
Publikum.
Mit Humor spielten die drei die Melodie, die als Lied des jüdischen
Milchmannes Tewje in "Anatewka" von Jerry Bock nun zur
musikalischen Weltliteratur gehört. Harry Timmermann führte
seine zahlreichen Hörer mit Tönen und Spielweise durch
Gefühlsszenarien. Die Gäste des Konzerts genossen es sichtlich.
Der Rhythmus riss viele mit.
Alexander Danko, der Bajan-Virtuose, bot als Solist unter anderem
Isaac Albeniz' "Asturias", das eigentlich für Gitarre
komponiert wurde und auch in dieser Interpretation sehr gefiel.
Sophie Timmermann sang zur eigenen Gitarren-Begleitung das anrührende
jiddische Liebeslied "Schön wie der Mond".
Zweites von 23 Konzerten
"Klezmer-Musik ist für die Seele und den Körper
gut", stellte Pfarrer Frank Gehr mann nach dem zweiten von
insgesamt 23 Konzerten in den Kirchen der Luckauer Niederlausitz
anno 2006 fest. Herzlichen Beifall gab es für "Harrys
Freilach" nach 90 Minuten bester Musik. (-ds)
|